Sonntag, 26. Juni 2011

(Be-) Stürzende Linien?!

Es gibt viele Möglichkeiten, Fehler beim Fotografieren zu machen. Heute wollen wir einen davon genauer analysieren.
HAW Amberg-Weiden
Stürzende Linien sieht man vielleicht nicht auf den ersten Blick - im Gegensatz zu z.B. einer falschen Belichtung. Aber wenn man sich mal darauf eingeschossen hat, springen diese "Fehler" umso mehr in´s Auge. Zumindest mir. Und es gibt nicht viel, was mich an Bildern mehr stört als eben diese Fehler. Vor allem, weil man sie relativ leicht vermeiden vermindern kann.

Doch fangen wir mal Vorne an. Für diejenigen, die noch nie etwas davon gehört haben:

Was sind stürzende Linien & wie entstehen sie?
Ich bin mir sicher, wer mal seine Fotos durchschaut, wird sie finden. Besonders, wenn Architektur bzw. derartiges zu den Motiven gehört. Gebäude, die zur Seite, vorne oder hinten zu kippen scheinen, genau das ist es wovon wir hier reden.

Doch wie kommt es denn dazu? Abgesehen davon, dass manche Gebäude wirklich schief gebaut sind. Liegt es an uns?

Kurz zur Theorie:
"Stürzende Linien werden auf Fotos solche Linien und Kanten genannt, die aufeinander zustreben, obwohl sie in Wirklichkeit parallel verlaufen. Der Effekt tritt auf, wenn die Kanten des Abbildungsgegenstands nicht parallel zur Projektionsfläche liegen." Danke Wikipedia!

Jetzt zur Praxis:
Jeder kennt bestimmt dieses Phänomen, wenn man vor einem hohen Gebäude steht und es fotografiert. Im Bild sieht es irgendwie so aus, als ob das Gebäude stpitz zulaufen würde. Besonders im Weitwinkelbereich sieht man diesen Effekt deutlich. Doppelt Blöd: Gerade im Architekturbereich nutzt man gerne Weitwinkelobjektive... Woran liegt´s? Meist an der falschen Position und der Haltung der Kamera!

Was kann man dagegen tun?
Es ist relativ leicht, diese Bildfehler zu vermeiden, wenn man weiß, worauf man achten sollte. Andererseits muss auch jedem bewusst sein, dass es manchmal einfach nicht anders geht... Der erste Schritt ist die Ausrichtung der Kamera. Diese sollte direkt auf das Motiv zeigen und zwar so, dass die Front des Gebäudes parallel (!) zum Sensor ist! Das ist der Knackpunkt! Sobald die Kamera nach vorne oder hinten geneigt wird, ist es mit den geraden Linien vorbei.

Außerdem ist es oft hilfreich, sich in einem Winkel von 45° zu einer Häuserecke zu positionieren. Wenn das nicht geht, nutze ich gerne die Linien, die das Motiv hergibt. Und glaubt mir, davon gibt es jede Menge! Um das Ganze etwas anschaulicher zu machen, gibt es ein kurzes Beispiel:


Wie gesagt, manchmal lassen sich stürzende Linien nicht vermeiden. Wie man im Video erkennt, wird das Motiv abgeschnitten, wenn man die Kamera paralell zum Motiv ausrichtet. Und das bei 12mm Weitwinkel am Vollformat(!). Viel weniger Brennweite geht kaum. Auch das Hochfahren der Mittelsäule ( [0:52] - wir sind jetzt bei ca. 2m Höhe angelangt) reicht noch nicht, um das ganze Motiv einzufangen.

Wer darauf steht, kann gerne tief in die Tasche greifen und sich ein Fisheye oder ein sog. Tilt/Shift Objektiv kaufen. Die Möglichkeiten würden an dieser Stelle zu weit führen (Miniatureffekt), aber mal grob umrissen: Solch ein Objektiv lässt sich mehr oder weniger in der Mitte knicken bzw. verschieben. Damit wird nur der Bildausschnitt zurecht gerückt, die Kamera bleibt sauber ausgerichtet. Wer sich das mal Live anschauen will, dem kann ich dieses Video hier empfehlen...


Sollte alles nicht geholfen haben, gibt es immer noch die Möglichkeit, mit entsprechender Software nachzuhelfen. Wer es hat, kann gerne Photoshop bemühen (Objektivkorrektur - Ha! Viel Spaß...). Auch zu empfehlen ist das Freeware Progamm ShiftN. Jedoch sollte man immer im Hinterkopf behalten: Bei der Korrektur stürzender Linien geht immer einiges vom Bildausschnitt verloren - deswegen lieber gleich vermeiden!

0 Feet Under

Ach ja: Auch wenn dieser Effekt bei den meisten Architekturaufnahmen eher ungewünscht ist, bietet er bei z.B. Landschaftsaufnahmen ganz besondere Möglichkeiten. So lassen sich bestimmte Bildteile besonders stark betonen.

In diesem Sinne!

Kommentare:

  1. oder man legt sich die kleine, aber feine freeware shiftN zu - http://www.shiftn.de/

    kann ich nur empfehlen. wie ich auch bereits in einem artikel erwähnte: http://spectre7.org/wp/02/2010/sturzende-linien-per-click-entfernen/

    :)

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  2. Hey Jens, wohl den Artikel nicht ganz zu ende gelesen, wie? ;-)

    Trotzdem, danke für den Link!

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  3. Ansich kein schlechter Artikel. Aber ein Aspekt stört mich doch sehr.
    Du deklarierst stürzende Linien als "Fehler".
    Das halte ich für eine falsche Aussage, denn stürzende Linien werden in manchen Bildern sogar sehr bewusst als Stilmittel eingesetzt.

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  4. Hey Björn! Danke für´s Feedback!
    Trotzdem, ich bleib dabei: Stürzende Linien sind Bildfehler. Genauso wie Vignettierung und Ähnliches.

    Das man es durchaus als Stilmittel verwenden kann, möchte ich gar nicht abstreiten. ;-)

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