Montag, 14. Juni 2010

Zahlenschubsen

Dass sich die teuren Kameras neben  des Funktionsumfangs hauptsächlich durch ihre Sensorgröße unterscheiden, ist kein Geheimnis. Doch macht die Größe denn heutzutage überhaupt noch einen Unterschied?

Als ich vor gut einem Jahr vor der Entscheidung stand, meine 450D herzugeben und mir die neue 5D Mark II zu gönnen, war damit nicht nur eine (ordentliche) finanzielle Herausforderung zu bewältigen. Denn neben dem Gehäuse waren auch neue Objektive fällig. Und die sind (bis auf wenige Ausnahmen) nicht gerade billig .

Es stellte sich mir auch die Frage, (nicht nach dem Sinn, denn es ging um Haben-Wollen, nicht Brauchen) worin denn der eigentliche Unterschied zwischen Vollformat und APS-C Sensoren liegt und was mir das Ganze bringt.

Doch zuerst einmal: APS-C? Vollformat? Kleinbild? Was bedeutet das und muss ich sowas wissen? Hier gibt es ein klares JA von mir, denn es hat (entscheidenden) Einfluss auf die Ergebnisse und somit auf eure Fotos!

Aber der Reihe nach. Da wir uns im digitalen Zeitalter befinden, wird nicht mehr auf Film belichtet, sondern auf Sensoren. Im Vergleich zum Film haben die Chips moderner Kameras verschiedene Größen. Ein analoger Film hatte Maße von 36x24mm. Das entspricht ziemlich genau dem heutigen Vollformat (=Kleinbild), also einem Sensor, mit der gleiche Größe.

In den kleineren (Spiegelreflex) Kameras werden noch kleinere Sensoren verbaut. Einerseits aus Platzmangel, andererseits aus Kostengründen. Diese gibt es wiederum in verschiedenen Größen. Am Wichtigsten sind dabei APS-C Sensoren, denn die werden heute in den meisten Kameras eingesetzt. Sie haben eine Größe von ca. 22,2x14,9mm (± 1-2mm).


Daneben gibt es noch andere APS Formate. Wer genaueres wissen will, wird bei Wikipedia fündig. Einen schönen Größenvergleich sieht man auch hier.

Mit den unterschiedlichen Formaten ergeben sich auch Unterschiede beim Fotografieren. In nächster Zeit möchte ich einige Artikel zu diesen Themen bringen. Vor allem zum Brennweiten-, Tiefenschärfen, Licht- und ISO Vergleich zwischen Vollformat und APS-C Kameras.

Doch zurück zum heutigen Thema.
Wie wir alle wissen, ist das Rauschverhalten ein nicht unwichtiges Kriterium bei Kameras. Es hängt unweigerlich mit der Sensorgröße und der Auflösung zusammen. Denn je mehr Pixel auf dem Sensor sind, desto kleiner müssen sie sein und desto weniger Licht bekommen sie ab. Um das auszugleichen, müssen die ankommenden Lichtsignale durch elektrische Impulse verstärkt werden. So entsteht das bunte und unliebsame Rauschen auf unseren Bildern. Je höher dabei die ISO gesetzt wurde, desto Rauschanfälliger ist die Kamera (da die Signale noch mehr verstärkt werden, was zu noch mehr Störungen führt).

Um auf meine einführende Überlegung zurück zu kommen... :)
Ist es logisch, von einer 450D mit 12,2 Megapixel (MP) auf eine 5D Mark II mit 21,1 MP umzusteigen? Immerhin sind es fast doppelt soviele Pixel. Die Antwort ist JA!!!

Dazu habe ich mir damals folgende Tabelle erstellt (in Wirklichkeit war es heute, aber damals habe ich die gleiche Rechnung gestartet ;-)).


Bleiben wir erstmal bei der 450D vs. 5D Mark II...
Wie gerade gesagt, verdoppelt sich die Pixelmenge fast. Zieht man allerdings die Sensorgröße heran, relativiert sich das Ganze wieder. Denn der APS-C hat eine Fläche von ~332 mm², auf der sich 12.200.000 Pixel verteilen müssen. Pro mm² drängen sich somit rund 36.700 Pixel nebeneinander.*

Im Vergleich dazu hat ein Vollformatsensor eine Fläche von 864 mm². Somit tummeln sich bei 21.100.000 Pixel pro mm² ca. 24.400 Nachbarn und Freunde. :) Das sind  12.300 oder 33% weniger Pixel pro mm².*

Was sagt uns das jetzt? Viel!
Zwar hat sich beim Neukauf die Pixelmenge nahzu verdoppelt, die zur Verfügung stehende Fläche hat sich hingegen MEHR ALS VERDOPPELT! Insofern hat jedes Pixel mehr Platz => muss nicht mehr so sehr verstärkt werden => weniger Rauschen!

Es ist schon klar, dass diese Rechnung nicht 100% Wasserdicht ist und es noch andere Gründe für den Umstieg gab. Aber es geht ums Prinzip! ;-) Insofern ist die Zahl der MegaPixel im Grunde zweitrangig. Wichtiger ist, wie viele Pixel sich auf einer bestimmten Fläche befinden und wie groß sie sind! Nennenswert ist noch, dass sich die Sensoren natürlich weiterentwickeln und somit die Qualität steigt. Allerdings ist irgendwann ein Punkt erreicht, an dem man

A) die physikalischen Grenzen merkt
B) die Kosten zu hoch werden
C) der Nutzen für den Kunden nicht mehr da ist (Dateigrößen und so)

Wer also eine 6, 8, 10 oder 12 MP Kamera sein Eigen nennt, hat davon vielleicht mehr, als jemand, der mit 18 MP fotografiert. Denn die Zeiten, als die Anzahl der Pixel noch ein Qualitätskriterium war, sind längst vorbei und der Pixelwahn, der leider immernoch vorherrscht, ist nur schwer aus den Köpfen heraus zu bekommen. Sowohl bei den Herstellern, als auch bei den Kunden...

Übrigens: Der Sensor einer DigiCam ist 25 bis 60 mm² groß. Versucht da mal 12 MP draufzupacken...

Einen kleinen Lichtblick könnte das neue iPhone bringen, bei dem sich Apple GEGEN mehr Pixel und FÜR bessere Sensoren entschieden hat. (Ein Lob von mir, obwohl ich kein Apple Fan bin :)) Ähnliches hört man auch von Olympus, die diese Strategie auf ihre DSLRs übertragen wollen. Man darf also wieder hoffen!

In diesem Sinne!

*) Ganz nebenbei, eine echt beeindruckende technische Leistung, die man sich mal vor Augen führen sollte!


Kommentare:

  1. Super Erklaerung - vielen Dank! Was ich noch nicht blicke ist die Auswirkung des Sensors auf die Brennweite!? Das hat doch auch was miteinander zu tun, oder? Ich hab noch viel zu lernen *g* Auf jeden Fall weiss ich jetzt schonmal, dass ich eine APS-C Kamera habe und falls ich mal aufruesten sollte, dann weiss ich jetzt auch warum sich das u.a. lohnen koennte :-D Wuensch dir einen schoenen Wochenanfang! Gruesse, Jo

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  2. Hey Jo!
    Wenn Du dich noch ne Woche geduldest, kommt genau das Thema mit der Brennweite!

    Am liebsten würde ich die Artikel täglich raushauen, aber irgendwann lässt es halt einfach nach. Und das möchte ich so lang wie möglich hinauszögern... :)

    Freut mich auf jeden Fall, wenn es dir weitergeholfen hat!!!

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  3. Hi Michi,
    natuerlich hab ich noch eine Woche Geduld :) Find es auch gut, dass du die Beitraege in diesem Rhythmus veroeffentlichst! So kann man (gerade als Anfaenger) alles einbischen ruhiger verdauen und wird nicht mit Infos ueberschuettet ;) Freue mich schon auf weitere "Folgen"! Gruss, Jo

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  4. Hi Jo!

    Die Hammer-Infos kommen nächste Woche... :) Zumindest war das damals für mich am Anfang alles auch etwas viel. Also kann ich verstehen, wie es dir geht!

    Falls Du mal so ne Frage hast, schreib mir einfach ne Mail!

    Gilt übrigens für alle, die hier mitlesen!

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  5. Hallo Michi,
    vielen Dank fuer das nette Angebot - werde ich mit Sicherheit demnaechst mal nutzen :) Nachdem ich mir jetzt das 35mm/1.8 bestellt habe, komm ich in Kuerze hoffentlich zum Experimentieren und damit werden sich dann automatisch genuegend Fragen ergeben ;)
    Gruesse, Jo

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  6. okay hier unten ist ein schöner button der lautet "per email abonnieren". das ist die lösung unseres problemes!
    hehe.

    ich find meinen APS-C Sensor ganz dufte, ich mag den Cropfaktor...aber vollformat hat auch schon seine vorteile...hmmmm :-) hab eh kein geld.

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  7. Aaaahhh!
    Ja danke - man kann halt nicht alles wissen... :)

    Es sagt ja niemand, dass APS-C schlecht(er) ist als Vollformat. Der preisliche Unterschied ist aber dennoch ordentlich... Das stimmt schon!

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  8. Da ich schon eine Menge Objektive aus Analog Zeiten hatte, war für mich die EOS 5 D die Erlösung - endlich war ein Extre-Weitwinkel wieder extrem :-) Und Normal-Optiken wieder normal. Dann der große Sucher mit dem sich die manuellen Optiken schon recht gut scharfstellen ließen - inzwischen durch eine EE-S Mattscheibe noch optimiert für die lichtstarken Festbrennweiten.

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  9. Nunja, das Problem mit den Brennweiten hatte ich eigentlich nicht, da ich mit APS begonnen habe und mit dem 18-200 war es irgendwie egal, welche Brennweite grad war. Da wurde halt gezoomt bis es passt... :)

    Irgendwie kann ich mir nichts unter diesen Mattscheiben vorstellen. Sind die wirklich gut/empfehlenswert? Das war bisher ein Ausrüstungsgegenstand, der für mich eher uninteressant war. Vielleicht ändert sich das aber bald... :)

    Ach und übrigens: Willkommen bei weit-winkliger!

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