Samstag, 21. Mai 2011

50/50

Die Qual der Wahl hat mich mal wieder erwischt. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich verkündet, dass meine Fotoausrüstung im Moment zufriedenstellend ist. Fast zumindest...

Denn eines ist sicher: Festbrennweiten kann man eigentlich nie zu viele haben. Und eine hat mich schon lange Zeit gereizt. Die wohl prominenteste aller Festbrenner: Die 50 Millimeter.

Wer schon mal einen Blick in meine Ausrüstung geworfen hat, wird so ein Glas dort finden. Nämlich das EF 50mm f1,8. Wahrlich das billigste Objektiv, dass es bei Canon zu kaufen gibt. Im Grunde sind es wohl nur zwei Linsen, die in einem Plastikbecher stecken. Ich will hier nichts schönreden. Das Objektiv war meine erste Festbrennweite und, für den Preis - dachte ich damals - kann man nicht viel falsch machen. Kann man auch nicht! Denn für ca. 100€ bekommt man das Teil schon.

Hier soll aber auf keinen Fall der Eindruck entstehen, dass ich dieses Objektiv nicht mag! Es ist sogar eines meiner Lieblinge. Auf der letzten Hochzeit hat es 75% der Arbeit gemacht. Aber irgendwie bleibt ein komisches Gefühl. Ein 100€ Objektiv an einer 5D Mark II? Kann das gut gehen? Das Ding sieht billig aus und macht dazu noch einen ordentlichen Krach (AF).

Deswegen habe ich mir vor ein paar Tagen das EF 50mm f1,4 bestellt. Wer den Beitrag über die Blende gelesen hat, wird vielleicht noch wissen, dass zwischen f1,8 und f1,4 nicht ganz eine Blende Unterschied ist (genauer: eine 2/3 Blende f1,4 -> f1,6 -> f1,8). Doch rechtfertigt das einen Preisunterschied von fast 300€?

Objektive vergleichen ist nämlich immer so ein Thema. Geht das überhaupt? Ein Zoom gegen Festbrennweiten? Oder verschiedene Brennweiten? Verschiedene Lichtstärken? Zumindest bei diesen beiden Modellen sollte es hinhauen. Es sind beides Festbrennweiten. Es sind beides 50er. Beide sind Lichtstark. Na dann, lasst den Wettkampf beginnen!

Dass es sich hierbei nicht um Labortest handelt, zeigt sich recht schnell. Aber wer fotografiert auch schon im Labor. Soweit es ging, habe ich gleiche Szenen im kurzen Abstand mit den beiden Objektiven fotografiert. Mal Offenblendig bis zum Anschlag, mal auf Augenhöhe (= f1,8) und mal etwas Abgeblendet (f2,5).

Bildqualität:

Oben seht ihr 100% Ausschnitte. Links das 50er 1,4, rechts das 50er 1,8. Der Bildausschnitt ist aus der Mitte, fokussiert per AF mit dem mittleren Sensor aus ca. 8 Meter Entfernung. Das letzte Bild zeigt den ganzen Bildausschnitt.

Lichtstärke:
Auch hier muss man etwas genauer hinschauen. Rechts ist das 1,4er und links das 1,8er - jeweils bei einer Blende von 8, damit Vignettierung keine Rolle spielt. Man erkennt, dass das 1,4er etwas heller ist.

Preis:
Tja, das ist schnell geklärt: Das EF 50mm f1,4 bekommt man für ca. 380€. Das 50er f1,8 für ca. 110€. Mehr gibt´s da nicht zu sagen.

Haptik:
Der Punkt geht eindeutig an das Ef 50mm f1,4. Es ist größer, schwerer, wertiger... Kein Vergleich zum Plastikbecher. Außerdem - und das war mit einer der Gründe, warum ich mir das Teil besorgt habe - ist es ein gutes Stück leiser. Hier seht ( & hört) ihr mal den direkten Vergleich. Kann sein, dass ihr die Lautstärke etwas aufdrehen müsst. Aber man hört den unterschied, wie ich finde.

Fazit:
Eigentlich spricht fast jeder Punkt für das EF 50mm f1,4. Es ist besser verarbeitet, lichtstärker, leiser und bietet fast durchgehend eine bessere Bildqualität. Ich habe es trotzdem zurück geschickt. Warum?

Weil in meinen Augen diese Vorteile keinen Preisunterschied von 270€ rechtfertigen. Eine 2/3 Blende ist sicherlich gut zu haben. Und hätte das Teil eine bessere Bildqualität (ich find´s schon ziemlich weich - und die CA´s erst...), würde ich es wahrscheinlich behalten. Als letztes Zeichen las ich am gleichen Tag, als ich es auspackte, dass es außerdem erste Anzeichen für ein (hoffentlich baldiges) Update dieser beiden Objektive geben soll.

Ein weiterer Grund liegt darin, wie oft ich dieses Objektiv verwende. Wenn ich ganz ehrlich bin, liegt es schon eine gewisse Zeit zurück, dass ich das 50er aufgeschraubt habe. Und wenn es mal wieder so weit sein sollte, stellt sich die Frage nach dem Verwendungszweck? In einer dunklen Kirche ist es (für mich) zu unflexibel. Da werde ich wahrscheinlich auf das 24-70mm oder das 70-200mm zurück greifen. Auch, wenn die Fotos mit einem 50er einfach ihren eigenen Charme haben.

Versteht mich nicht falsch, das EF 50 f1,4 ist ein wirklich gutes Teil. Nicht umsonst gibt es so viele positive Bewertungen bei Amazon. Für mich persönlich hat es aber nicht funktioniert. Meiner Meinung nach merkt man das Alter des Objektivs. An kleineren Sensoren ist es wahrscheinlich sehr gut. Der 21 MP Vollformat Sensor einer 5D Mark II bringt das Objektiv jedoch an seine Grenzen. Oder sogar darüber hinaus. Vielleicht bin aber auch einfach nur "L-Verwöhnt"?

In diesem Sinne!

(!) Links zu Amazon bzw. Verweise auf den Shop sind Affiliate Links.


Kommentare:

  1. Hey Michael,

    ich hatte zuerst auch das 1,8er und bin dann auf das 1,4er umgestiegen. Und zwar genau aus den Gründen die du bereits aufgeführt hast. Etwas hast du aber vergessen: der AF des 1,8er ist nicht nur laut sondern auch sehr langsam und unzuverlässig. Vor allem bei wenig Licht bekommt mans oft gar nicht fokusiert... und das war für mich einer der Hauptgründe für den Umstieg...

    Ich hab das 1,4er gebraucht gekauft und somit hatte ich nur 200 Euro Differenz und dafür war der Umstieg jeden Euro wert. Für mich jedenfalls... Es kommt halt auch immer darauf an, für was man die Scherbe einsetzt...

    Das 1,2er L kommt mir allerdings nun wirklich nicht in die Tüte!!! :-)

    Lg Mario

    AntwortenLöschen
  2. Hi Mario!

    Hm, ich weiß nicht, in wie weit ich dir da zustimmen kann. Laut: JA! 100%!

    Unzuverlässig: Sicherlich nicht der Burner unter den AF´s. Hatte bis jetzt aber meistens Glück, dass bei den wichtigen Fotos der Fokus gesessen hat. Zumindest oft genug. Klar ist es bei f1,8 eh fast schon Glückssache, wo der Schärfebereich letzten Endes liegt.

    Aber ich kenn mich. Wenn ich das andere hätte, könnte ich es auch bei f1,4 festlöten. Und da ist der Schärfebereich noch kleiner...

    Und mal ganz ehrlich: Mich hat die Qualität bei Offenblende absolut nicht überzeugt. Wie siehst Du das? (Das Beispielfoto oben ist schon übel, finde ich...)

    AntwortenLöschen
  3. hmmm zu deinem Beispielfoto... was soll man da sagen.

    Also das ist wirklich ganz übel schlecht bei f1,4. Allerdings schauts bei f1,8 schon wieder ganz anders aus im Gegensatz zum 1,8er.

    Ich hab das Gefühl, dass es bei meiner 7d besser wegkommt. Liegt vielleicht doch am Vollformat-Boliden... oder das Teil war einfach ne Gurke... (obwohl ich manchmal denke, dass diese Serienstreuungs-Gurken-Linsen ein Mythos sind).

    Nochmal zum AF. Ich meinte eigentlich nicht die Trefferquote was den Schärfebereich angeht, das ist übungsache, sondern dass der AF bei wenig licht gar keinen Kontrast zum Scharfstellen gefunden hat...

    LG Mario

    AntwortenLöschen
  4. Ja, mich haben die CAs auch sehr überrascht. Aber ich kauf mir doch kein f1,4er Objektiv, um dann auf 1,8 abzublenden. Dass es besser aussieht ist ja voll OK - wäre schlimm, wenn es anders wäre... Aber das ist mir keine 300€ (mehr!) im Grunde sind es fast 400€ wert! Auch nicht mit dem Rest.

    Ich hoffe einfach, dass bald der Nachfolger kommt. Dann greif ich zu!

    Zwecks Gurken und Objektiven habe ich vor kurzem einen sehr guten Bericht gelesen...

    Zum AF: Kann sein, dass der besser ist. In der Hinsicht konnte ich das Teil leider nicht testen. Trotzdem, mir reicht mein billiger Plastikbecher. Bin damit bislang recht gut gefahren. Sobald der Nachfolger da ist, wird der geholt. :) (Das 50er f1,8 soll ja auch ein Update erhalten)

    AntwortenLöschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.